Abschiedsgruß

20. November, 2009 um 2:11 pm Uhr

Nach langem Überlegen und genauester Abwägung von Pro und Contra habe ich mich - einige haben es wohl schon geahnt - dazu entschlossen, Planet Punk einzustellen, damit aufzuhören, es sein zu lassen.
Grund dafür ist nicht die Wirtschaftskrise. Anspruch bzw. Vorhaben und Umsetzung haben hier schon seit längerem nicht mehr zusammen gepasst. Ein Blog, auf dem alle zwei Wochen oder noch seltener ein neuer Artikel erscheint, etspricht nicht meiner Vorstellung. An Ideen mangelt es mir mit Sicherheit nicht, offensichtlich aber an der Disziplin, sie zu verwirklichen.
Planet Punk hat nach drei Jahren seinen Reiz verloren.

Planet Punk war, wenn sich sein Wesen überhaupt unter einen Hut kehren lässt, wohl vor allem ein geeignetes Mittel, Unmut los zu werden und in Worte zu fassen, ein Ventil. Umso netter, dass das auch manchmal von Fremden gelesen und kommentiert worden ist.
Auf Wiedersehen, eventuell mal in einem anderen Blog.

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Leseliste Nr.7

18. Oktober, 2009 um 6:56 pm Uhr

Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann von Heinrich Böll ist ein beeindruckend nüchterne Erzählung über eine junge Frau, Katharina Blum, die verdächtigt wird, einem Schwerverbrecher bei der Flucht geholfen zu haben. Sie wird daraufhin von der Boulevardpresse verfolgt und zerstört. Beeindruckend nüchtern ist der Bericht, weil Böll es schafft ohne verbal zornig zu werden, die Macht des Boulevards und seine Methoden zu beschreiben und damit bloßzustellen. Allein die nüchterne Beschreibung steigert die Verurteilung ins Unermessliche. Dabei verschweigt Böll nicht, wovon er erzählt: Jede Ähnlichkeit der beschriebenen journalistischen Methoden mit jenen der BILD-Zeitung sind “weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich”, heißt es zu Beginn der Erzählung.
Empfehlenswert ist auch die Hörspielfassung von Hermann Naber.

Als Ergänzung zu empfehlen ist die grandiose Simpsons-Folge “Die Babysitterin und das Biest”, in der Homer verdächtigt wird, eine Frau belästigt zu haben. Er wird Opfer einer beinharten Medienkampagne. Als er seine Unschuld jedoch beweisen kann fällt er selbst sofort auf die nächste Hetzkampagne im Fernsehen herein.

Die gerettete Zunge. Geschichte einer Jugend von Elias Canetti ist eine autobiographische Erzählung der Kinder- und Jugendjahre des Autors. Geboren 1905 im bulgarischen Rustschuk in einer Gemeinde sephardischer Juden, sprach Canetti schon als Kind sephardisches Spanisch und Bulgarisch. Seine Eltern, die miteinander nur in ihrer “Geheimsprache” Deutsch kommunizierten, zogen bald nach London, wo der Vater verstarb. Alleine mit seinen jungen Geschwistern und einer suizidgefährdeten Mutter, zog Canetti weiter nach Wien. Während die Mutter dem Kind die deutsche Sprache förmlich eintrichtert, verbringt der junge Canetti seine Zeit nur noch mit Lesen und entwickelt einen Lernwillen, der selbst in Canettis eigenen Beschreibungen suspekt wirkt. Während die Familie den 1. Weltkrieg in Wien verbringt, wurde Canetti anschließend in ein Internat in die Schweiz geschickt. Hier endet der erste Band der Biographie Canettis.
Canettis Buch ist eine Mischung aus Erzählungen und Anekdoten, Selbstreflexion und wirkt vor allem auch als Versuch, die janusköpfige Beziehung zur eigenen Mutter aufzuarbeiten, die schon als Kind mit ihm die Nächte mit dem Lesen von Shakespears Dramen verbracht hat.

Gebrauchsanweisung für Berlin von Jakob Hein ist der zweite Band, den ich in der Reihe “Gebrauchsanweisung für …” gelesen habe. Erneut hat sich das Buch als nette Reisebegleitung emfohlen und bestätigt. Jakob Hein, der eigentlich aus Leipzig stammt, versucht auf verschiedenen Wegen Berlin, seinen Eigenheiten und Besonderheiten auf den Grund zu gehen. Ein Unterfangen, das mittels einem kleinen Büchlein schlicht und einfach unerfüllbar ist und sich damit von Haus aus eine Menge Kritiker schafft. Ich habe die Erläuterungen amüsant empfunden und das Buch auf der Zugfahrt nach Hause zufrieden geschlossen.
Buchdeckel zu - Urlaub zu Ende.

Nordamerika. Geschichte und Gesellschaft seit dem 18. Jahrhundert, herausgegeben von Margarete Grandner und Marcus Gräser, war meine Hauptlektüre in meiner sommerlichen Beschäftigung mit nordamerikanischer Geschichte. In 12 Aufsätzen werden von 12 Autoren verschiedenste Aspekte der Geschichte des Halbkontinents beleuchtet. Der Band wirkt rund und hat bei mir in jedem Fall Faszination und Begeisterung in der Auseinandersetzung mit den USA und dem so unbekannten Nachbarn Kanada geschaffen.

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2 Wochen Kronen Zeitung

9. Oktober, 2009 um 1:45 pm Uhr

Wie hier erzählt, bin ich in den vergangenen zwei Wochen in den Genuss eines Test-Abos der Kronen Zeitung gekommen. Hier die Schlagzeilen auf dem Titelblatt von 26. September bis 7. Oktober 2009:

26. Setember 2009:
Noch mehr müssen jetzt zittern:
AUA-Sparkurs kostet 1500 Jobs

27. September 2009:
Mehr als eine Million heute stimmberechtigt:
SPÖ & Grüne zittern vor der OÖ-Wahl!

28. September 2009:
Öberösterreich: SPÖ-Debakel, ÖVP-Sieg
Triumph für den Landesvater

29. September 2009:
Probleme bei Inhalten, Personen und Vermittlung
Was bei der SPÖ alles schiefläuft

30. September 2009:
Sogar Polizei vor Attacken nicht sicher:
Jugendliche Täter immer brutaler!

1. Oktober 2009:
Österreicher Augenzeuge des Südsee-Tsunamis:
“Die Erde bebte eine Minute lang!”

2. Oktober 2009:
Nach Rücktrittsaufforderung an Faymann:
Häupl liest Steirer-SPÖ die Leviten

3. Oktober 2009:
Bande nützte Wien als Drehscheibe:
1000 Illegale ins Lands geschleppt!

4. Oktober 2009:
Durch Volksabstimmung in Großbritannien:
Lissabon-Vertrag kann noch kippen

5. Oktober 2009:
Tschechiens Klaus und Englands Cameron
EU-Vertrag: Zwei Männer entscheiden

6. Oktober 2009:
Das sollte faymann & Häupl zu denken geben:
SPÖ-Wähler für strenge Asylpolitik!

7. Oktober 2009:
ÖBB streichen Dutzende Züge:
Neuer Anschlag auf die Pendler

Meine anfängliche Idee im Laufe dieser beiden Wochen neben der Kronen Zeitung nur die Zeit im Bild und eventuell die eine oder andere U-Bahn - Zeitung zu konsumieren, war so für mich nicht erfüllbar.
Die Auswirkungen auf meine Diskurswahrnahme und mein Reflektionsverhalten wären aber nur zu interessant gewesen.

The New Deal

8. Oktober, 2009 um 3:09 pm Uhr

Das folgende Bild findet sich nicht etwa in einer (ehemaligen) Volksrepublik. Es handelt sich um das Gemälde “The New Deal” von Conrad A. Albrizio, das im Auditorium der Leonardo Da Vinci Art School in New York hängt.
Gewidmet wurde es Franklin D. Roosevelt.

The_New_Deal.gif

Bildquelle: http://newdeal.feri.org/library/ac37.htm

10 Jahre Tonspion

um 12:59 pm Uhr

Legale gratis Musik aus dem Internet ganz ohne rechtliche Graubereiche gibt es bekanntlich noch, allerdings sind derartige MP3s meist nur vereinzelt und per Zufall zu finden. Umso wertvoller sind Plattformen wie Tonspion, die gratis angebotene MP3s im Web gesammelt auflisten und zur Verfügung stellen.

Tonspion feiert sein 10. Jubiläum und hat zum Jubiläum eine Liste der “100 besten free Downloads” aus den vergangenen Jahren erstellt. Bis zum Jahresende soll jeden Tag eine MP3 hinzukommen und die Liste komplettieren.
Einige MP3s sind bereits gelistet, darunter ganz unterschiedliche Richtungen wie “Beethoven”oder “You Say Party! We Say Die”.

Hier gehts zur Liste.

Tonspion

Werbung für Regenschirme

7. Oktober, 2009 um 6:22 pm Uhr

Etwas stereotyp, aber auf jeden Fall witzig. Werbung für (kleine) Regenschirme:


via Das Sexblog

Einwanderungsland Österreich, eine Auseinandersetzung. Teil 1.

5. Oktober, 2009 um 7:55 pm Uhr

Nach den letzten beiden Landtagswahlen in Vorarlberg und Oberösterreich gab es wieder den großen Schock: “Der rechte Rand hat massiv gewonnen! Wie konnte das passieren?”
Der Wahlkampf des rechtens Rands wird von einem Thema beherrscht: Integration. Oder um es in den Worten der Partei, die disen Rand repräsentiert, auszudrücken: Ausländer. Die Formulierung “Ausländerwahlkampf” wird dann auch im medialen Diskurs übernommen: “Die FPÖ gewinnt schon wieder mit einem Ausländerwahlkampf.” Je nach Richtung des jeweiligen Mediums werden dann noch Vokabel wie “Hetze” oder “schmutzig” angefügt. Oder eben nicht.
Klar scheint nach den beiden Wahlen eines: Das innenpolitische Thema, das Österreich beherrscht, ist Zuwanderung und Integration. Gut so, möchte man meinen. Nur: Die einzige Partei, die hier etwas zu sagen hat, nennt sich FPÖ.
Grund für mich, der Migrationsproblematik - die man aus genannten Gründen und politischer Gewichtung so nennen muss! - einen Schwerpunkt zu widmen:

Teil 1: Kulturelles Erbe, Gastarbeitergeneration und politische Versäumnise

Österreich weist das historische Erbe eines Vielvölkerstaates auf. Zumindest in Wien, um auf dem heutigen Staatsgebiet zu bleiben, ist die Erfahrung und die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen, die Erfahrung mit nichtdeutschen Sprachen und nichtkatholischen Religionen, die Erfahrung mit Multikulturalismus eine alte. Nur der Auslösefaktor der jeweiligen Debatte hat sich geändert. Tschechen, Juden, Ex-Jugoslawen, Türken und Muslime haben die sehr heftigen, sehr emotional geführten Auseinandersetzungen der letzten 150 Jahre geprägt.
Viel ist aus diesen interkulturellen Austauschen übergeblieben, das unübersehbar und eindeutig fester Bestandteil österreischischer Kultur geworden ist. Ob Esskultur, Nachnamen bzw. Orts- und Straßennamen, Lehenswörter aus anderen Sprachen und vieles mehr: Die Summe österreichischer Kultur - über deren Definition nächtelang gestritten werden kann - aus Einflüssen anderer Kulturen ist nicht zu leugnen.

Trotz alledem wirkt die Migrationsdebatte wie sie heute - quasi ausschließlich vom rechten Rand - geführt wird, heftig und einzigartig. Dafür muss es Gründe geben. Vor allem für die Emotionen des rechten Randes und deren Erfolg, aber auch für das Stillschweigen aller politischen Alternativen:

Gezielte, also politisch geförderte und gewünschte Einwanderung nach Österreich hat spätestens in den späten 1960ern bzw. im Laufe der 70er Jahre als “Gastarbeiter”-Migration begonnen. Gastarbeiter-Migration? Gastarbeiter? Zwei Begriffe, die als Selbstverständlichkeit in den österreischischen Sprachgebrauch eingegangen sind. Nur: Was bedeuten sie, was implizieren sie?
Auf Grund von Arbeitskräftemangel (!) wurden Gastarbeiter zum Wohle der österreichischen Wirtschaft gezielt angeworben und nach Österreich geholt. Der Status als Gast war - ohne dass man sich darüber nähere und intensivere Gedanken machte - sehr ernst gemeint. Solange Bedraf bestünde, sollten diese Menschen, vor allem Männer, hier bleiben. Wenn die Arbeit erledigt ist, sie nicht mehr gebraucht werden, würden sie wieder in ihr Ursprungsland zurückkehren.

Von einer Annäherung dieser Menschen an die österreichische Gesellschaft war aus ebendiesen Motiven keinerlei Rede. Gezielte Förderung einer Integration im Sinne von z.B. Sprachkursen war deshalb keine Rede. Die Migranten arbeiteten mit ihren jeweiligen Landsleuten zusammen und wurden auch mit diesen gemeinsam in Wohnsiedlungen angesiedelt.
Eine naive Sicht: Denn den Menschen gefiel es hier. Ein Arbeitsplatz mit vergleichsweise gutem Verdienst. Ein soziales System mit vergleichsweise guten Strukturen. Vergleichsweise hohe persönlich Chancen zur Selbstverwirklichung. Vergleichsweise hohe persönliche Freiheiten. Aus diesen und so vielen anderen Gründen blieben viele da.

Schrittweise und schleichend kam es zur heutigen Situation: Ohne jegliche Fördermaßnahmen wurden viele dieser Menschen nie Teil der Mehrheistgesellschaft, war es vielen nie möglich, Teil ebendieser zu werden. Immer noch war ja von den Gastarbeitern die Rede,
Dabei war Österreich (wieder) zu einem Einwanderungsland geworden. Das Land lebte wirtschatflich und bald auch demographisch stark von Migration. Ein Eingeständnis, dass das so ist, warum es so ist und warum es gut so ist - dafür hat nie ein österreichischer Politiker den Mut und die Weitsicht aufgebracht. Dieser Fehler machte geförderte Integration von Migranten (bis heute!) nie zu einem konstruktiven Thema. Aber gleichzeitig wurde Zuwanderung durch diese Kurzsichtigkeit zum großen Thema des rechten Randes.

Viele Fehler, oder besser: Versäumnisse, wurden also gemacht. Die verpasste gesellschaftliche Integration dieser Migranten kam erst sehr zur Sprache als das Versäumnis sichtbar geworden ist. - Und damit kam die große Chance des rechten Randes.
“Integriert euch! Passt euch an!,” lautet dessen Botschaft. Der Untergang Österreichs wird da gezeichnet. Entstandene Ängste und Sorgen vieler Menschen politisch instrumentalisiert. Und offenbar weiß niemand einen Weg, diese Ängste aufzufangen.

Über die Bedeutung und den Missbrauch des Wortes “Integration” wird es im 2. Teil gehen. Was für Möglichkeiten dahinter stecken, und was eigentlich der “perfekte Migrant” ist, soll ebenfalls erläutert werden.

Zitat des Tages

um 1:45 pm Uhr
“Wenn mit Westerwelle tatsächlich ein bekennender Homosexueller eines der höchsten Ämter übernehmen soll, wird sich die deutsche Politik endgültig der Lächerlichkeit preisgeben.”

Ob man’s glaubt oder nicht: Tatsächlich nachzulesen ist dieses Zitat in einem Leserbrief von “Mag. Martin Behrens, Wien” in der Kronen Zeitung vom 5.10.2009.

Westerwelle spricht kein Englisch

3. Oktober, 2009 um 11:41 am Uhr

Guido Westerwelle und seine FDP sind der große Sieger der deutschen Bundestagswahl. Westerwelle wird mit Sicherheit neuer Vizekanzler Deutschlands und mit hoher Wahrscheinlichkeit deutscher Außenminister.
Ich verlange nicht von allen perfekt Englisch zu sprechen. Ein Politiker, zusätzlich ein Außenminister, sollte da allerdings keine Probleme haben. Westerwelle möchte allerdings nur in geschlossenen Räumen Englisch sprechen. Äußerst peinlich, würde ich sagen:


Barbara Rosenkranz als Bundespräsident

30. September, 2009 um 8:56 am Uhr

In der heutigen Krone findet sich folgender Leserbrief:


Zukünftiger Bundespräsident

Auch ich könnte mir sehr gut Barbara Rosenkranz als Bundespräsidentin vorstellen. Sie hat zehn anständige Kinder großgezogen, sie versteht was von der Landwirtschaft, sie schämt sich nicht für Österreich (wie Frau Ferrero-Waldner), und vor allem hat sie als einizge Abgeordnete Österreich nicht verraten, da sie den (sic!) Schandvertrag von Lissabon nicht zugestimmt hat, der langfristig die Abschaffung von Österreich zur Folge hat.
Ema Fabian, Peggau

Eine interessante Idee! Weitere überzeugende Gründe für eine Wahl von Barbara Rosenkranz:
- Sie ist Autorin des großartigen Aufdeckerbuches “MenschInnen. Gender Mainstreaming – Auf dem Weg zum geschlechtslosen Menschen.” (Rosenkranz wäre daher Bundespräsident, nicht -in)
- Auch ihr Ehemann ist politisch aktiv.
- Sie gibt als Beruf offiziell Hausfrau an. (hier)
- Sie ist Trägerin des “Großen Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich”
- Ihre Kinder grüßen immer so nett wenn man ihnen auf der Straße begegnet.
- Ihr Hund ist so niedlich.

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